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#GermanDeathCamps
Quelle: www.auschwitz.org
Bocznica

Langjähriges Nebeneinander

Seit den Anfängen des polnischen Staatswesens gehörten Juden untrennbar zur polnischen Gesellschaft. Mit der Zeit nahm ihr Anteil immer mehr zu, denn Polen war ein tolerantes Land, so dass sich große Gruppen der jüdischen Bevölkerung, die aus anderen Teilen Europas vertrieben worden waren, ansiedeln konnten. In Polen konnten sie ein ruhiges Leben führen, ihren Berufen nachgehen sowie ihre Religion und ihre Bräuche pflegen. Juden standen oft Seite an Seite mit den Polen im Kampf für die Unabhängigkeit des gemeinsamen Vaterlandes.

1989

Seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1989 unternimmt der polnische Staat alles, um die Zusammenarbeit und den Dialog zwischen unseren Nationen weltweit beispielhaft zu gestalten.

Im Jahr 2013 wurde in Warschau das Museum der Geschichte der polnischen Juden POLIN eröffnet, in dem unsere gemeinsame Vergangenheit dokumentiert wird. Dieser Ort gehört zu den meistbesuchten Museen in Polen.

Über die große Stärke unserer gemeinsamen Erfahrungen zeugen die polnischen Schulbücher, in denen es von Beispielen des von Polen jüdischer Herkunft Geschaffenen nur so strotzt. So gibt es beispielsweise wohl kaum ein Kind in Polen, das die Gedichte von Jan Brzechwa nicht kennt.

Tolerance in the Rzeczpospolita Tolerance in the Rzeczpospolita
Quelle: YouTube profile of the Polish Ministry of Foreign Affairs

Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs

3 Millionen
Juden
in Polen

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Polen eines der größten jüdischen Zentren weltweit. Hierbei ist anzumerken, dass 1918, nachdem Polen seine Unabhängigkeit wiedererlangte, über 3 Millionen Juden in Polen lebten – eine der größten Diasporagemeinschaften der Welt. Genau das war der Grund dafür, dass das Dritte Deutsche Reich 1939 Ghettos und deutsche Vernichtungslager (Todeslager) auf polnischem Boden, auch im Generalgouvernement, einrichtete, wo die jüdische Bevölkerung aus den besetzten Gebieten zusammengepfercht wurde.

Wichtigste deutsche Konzentrationslager und deutsche Vernichtungslager in den Grenzen des sog. Großdeutschen Reichs 1941-1944.

Mapa obozów koncentracyjnych
Quelle: a map from http://www.truthaboutcamps.eu/th/

Keine Kollaboration mit dem Besatzer!

Polen war das einzige von Deutschland besetzte Land, das während des Zweiten Weltkriegs keine offiziellen Kollaborationsstrukturen mit Nazi-Deutschland besaß, es wurde keine Marionetten-Besatzungsregierung gebildet. Für jegliche Hilfe, die den Juden im polnischen Gebiet geleistet wurde, auch wenn nur Essen ihnen zugesteckt wurde, verhängten die Deutschen rigoros Todesstrafen. Trotzdem bilden die Polen die größte Gruppe der Gerechten unter den Völkern.

Aufruf des Vorstandes und des Obersten Rabbinerrates der Republik Polen aus dem Jahr 1939.

Lass den Namen des Ewigen gelobt werden!

Brüder in Israel, Bürger von Serenissima Res Publica Poloniae!

Der ewige Feind hat auf eine niederträchtige, schändliche Weise die von uns so sehr geliebte Heimat Polen angegriffen. Ohne Ehre und Gewissen, ohne menschliche Gefühle bringt er Mord, Raub und Feuersbrunst.

Wir Juden, Kinder dieser Erde seit alters her, stellen uns alle gelassen und gehorsam in einer Reihe auf die Aufforderung des Präsidenten der Republik und des Oberbefehlshabers, jeden auf dem ihm von den Behörden zugewiesenen Posten, um unsere geliebte Heimat zu verteidigen und wenn es erforderlich wird werden wir auf dem Altar des Heimatlandes unser Leben und unser Eigentum restlos opfern. Dies ist unsere wichtigste bürgerliche und religiöse Pflicht, die sich aus den Geboten unseres Heiligen Glaubens ergibt und die wir mit größter Freude erfüllen werden - so hilf uns und Polen Gott.

Vorstand und Oberster Rabbinerrat der Republik Polen
Den 2. September 1939

Hilfe seit den ersten Kriegstagen

Bereits zu Beginn des Zweiten Weltkriegs setzte in der polnischen Zivilbevölkerung, gefolgt von der polnischen Exilregierung, und innerhalb der Strukturen des Untergrundstaates eine umfangreiche Hilfeleistung für Juden ein.

Viele Polen gaben Informationen über die Verfolgung und die Verbrechen des Dritten Deutschen Reiches gegen die jüdische Bevölkerung und leisteten auch finanzielle Hilfe. Doch am gefährlichsten für das eigene Leben und das Leben der Angehörigen war es, Juden vor der Deportation in Ghettos und Konzentrationslager zu verstecken. Auch Flüchtlinge wurden versteckt.

Leider fanden sich in der polnischen Bevölkerung auch schändlich handelnde Menschen, die gegen ihre jüdischen Brüder die Hand erhoben. Es gab solche Situationen, und das verabschiedete Gesetz blockiert keinesfalls die Debatte über dieses Thema, ebenso wie es die historische Forschung nicht behindert.

Powstanie
Quelle: Jewish civilians captured by Germans during the suppression of the uprising; a photo from Stroop’s report

„An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass die polnische Bevölkerung den Juden jede erdenkliche Hilfe leistet und Mitgefühl zeigt. Die Solidarität der polnischen Bevölkerung weist zwei Aspekte auf: Erstens, ist es das gemeinsame Leid und, zweitens, der gemeinsame Kampf gegen den unmenschlichen Besatzer. Ununterbrochen wird gegen die Verfolger gekämpft, hartnäckig, im Untergrund und sogar im Ghetto und unter so schrecklichen und unmenschlichen Bedingungen, dass sie schwer zu beschreiben oder vorstellbar sind. (...) Die jüdische und die polnische Bevölkerung stehen in ständigem Kontakt, sie tauschen kontinuierlich Presse, Informationen und Befehle aus. In Wirklichkeit kann die Ghettomauer die jüdische Bevölkerung von den Polen kaum trennen. Die polnische und die jüdische Gesellschaft kämpfen weiterhin gemeinsam für ein gemeinsames Ziel, so wie sie in der Vergangenheit viele Jahre gekämpft haben.”

Szmul Zygielbojm, Generalsekretär der Jüdischen Sektion des Zentralen Gewerkschaftskomitees und Mitglied des Nationalrates der Republik Polen in London, 1942

Es waren die Polen, die den Juden am meisten halfen

Durch das Deutsche Reich und durch Sowjetrussland hörte der polnische Staat im Zweiten Weltkrieg auf zu existieren. Trotzdem schützten die Untergrundstrukturen des polnischen Staates das Leben seiner jüdischen Bürger während der sehr brutalen und blutigen deutschen Besatzung.

Der Polnische Untergrundstaat – der zu den am besten organisierten unter der Nazibesetzung gehörte, bestrafte mit dem Tod alle, die Juden verrieten, die sog. Schmalzowniks.

Eine Organisation namens „Żegota” wurde gegründet, dank der es möglich war, das Leben tausender Juden zu retten. Vergessen wir nicht, dass die Polen die größte Gruppe bilden, die mit der Medaille der Gerechten unter den Völkern ausgezeichnet wurden. Diese Helden riskierten ihr eigenes Leben, um das Leben anderer Menschen zu retten.

„Für die Rettung vor sicherem Tod von tausenden Juden während des Holocaust, auch mich, wurde er von den Deutschen zum Tode verurteilt. Seine Frau wurde zusammen mit ungarischen Juden in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert.”

Henryk Zimmermann anlässlich der feierlichen Verleihung der Medaille der Gerechten unter den Völkern an Henryk Sławik in Yad Vashem, 6. November 1990

Polnische Opfer

etwa 6 Millionen
Menschen

Unser Volk verlor, prozentual gesehen, die meisten Bürger im Vergleich zu den Zahlen vor dem Krieg. Etwa 6 Millionen Menschen kamen um, darunter über 3 Millionen Juden.

Darüber hinaus verlor Polen unwiederbringlich Tausende von Kunstwerken und alten Drucken. Viele Städte wurden zerstört, auch die Hauptstadt, die auf Hitlers Befehl dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Getto
Juliusz Bogdan Deczkowski, Quelle: Warsaw Uprising Museum

Polnische Bürger, die Juden retteten

Der Polnische Untergrundstaat gab offiziell bekannt, dass jeder, der dem Besatzer helfe, dass versteckte Juden verraten würden, mit dem Tod bestraft werde.

25% aller vom Institut der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust Yad Vashem mit der Medaille „Gerechte unter den Völkern” ausgezeichneten Personen sind Polen.

Sprawiedliwi wśród narodów

The Yad Vashem Holocaust museum, Quelle: Wikimedia Commons

Es waren die Berichte der beiden Polen - Pilecki und Karski, durch die die Welt vom Holocaust erfuhr

Berichte von Pilecki - Da er es Mitte September 1940 schaffte, als Freiwilliger in das deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zu gelangen, erhielt das Kommando der polnischen Untergrundarmee von ihm, dem Rittmeister Witold Pilecki, Berichte über die Lage im Inneren des Lagers. Pilecki übermittelte mehrere Geheimdienstberichte und baute eine Widerstandsbewegung im Lager auf.

Bericht von Karski - Zwei von Jan Karski erstellten Berichte beschrieben Verbrechen gegen Juden im von den Deutschen besetzten Gebiet der Zweiten Polnischen Republik. Nachdem sie übersetzt worden waren, wurden sie den Anführern der alliierten Staaten übergeben. Am 28. Juli 1943 berichtete Karski persönlich dem US-Präsidenten F. D. Roosevelt von der Situation der jüdischen Bevölkerung.

Witold Pilecki
Quelle: www.auschwitz.org
Jan Karski
Quelle: www.wikipedia.org

Note von Raczyński – diplomatische Note der Exilregierung der Republik Polen vom 10. Dezember 1942 über Verfolgung und Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung im von den Deutschen besetzten Polen. Es war der erste offizielle und öffentliche Bericht mit Informationen über den Holocaust.

Irena Sendler – Sie rettete etwa 2500 jüdische Kinder. Irena Sendler wurde mit der Medaille „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet und zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert.

Henryk Sławik - Er organisierte Hilfe für Tausende polnische Flüchtlinge (einschließlich Juden), die nach Ungarn geflohen waren. Für seine Aktivitäten wurde er am 23. August 1944 im deutschen Konzentrationslager Mauthausen-Gusen ermordet. Er erhielt den Titel „Gerechter unter den Völkern”.

Der Präsident der polnischen Exilregierung, Władysław Raczkiewicz, sandte am 18. Dezember 1942 einen Brief an Papst Pius XII., in dem er um öffentliche Verteidigung der ermordeten Polen und Juden bat.

Der Rat für die Unterstützung der Juden bei der Regierungsvertretung der Republik Polen „Żegota” - eine polnische Untergrundorganisation, die 1942 -1945 als Organ der polnischen Exilregierung tätig war und deren Aufgabe darin bestand, Hilfe für Juden zu organisieren. Durch die Aktivitäten von „Żegota” wurde es möglich, dass Tausenden von Juden das Leben gerettet werden konnte, u.a. durch die Beschaffung von etwa 60.000 gefälschten Dokumenten und von Wohnungen sowie von Geld für Familien oder Klöster, die neue „Mieter” bei sich aufnahmen. Initiatorin der eingerichteten Institution war die Aktivistin und katholische Schriftstellerin Zofia Kossak-Szczucka. Der Rat erhielt Mittel für seine Aktivitäten vorwiegend aus dem Haushalt des Polnischen Untergrundstaates, der hauptsächlich von der polnischen Regierung in London bereitgestellt wurde. Am Yad Vashem-Institut gibt es einen Baum, der dieser Organisation gewidmet ist.

Die Familie Ulma – ein Beispiel der polnischen Hingabe, um den Juden zu helfen. Józef und seine hochschwangere Frau Wiktoria Ulma wurden zusammen mit ihren sechs Kindern von der deutschen Polizei ermordet, weil sie den Juden geholfen hatten. Ihr ältestes Kind war 8 Jahre alt, das jüngste erst eineinhalb Jahre. Zusammen mit ihnen wurden auch acht von ihnen versteckte Juden umgebracht, darunter zwei Frauen und ein Kind. Der Polnische Untergrundstaat vollstreckte das Todesurteil an einer Person, die für diesen Mord mitverantwortlich war.

Rodzina Ulmów
Quelle: from the collection of Mateusz Szpytma

Verbrechen in Siedliskadie Ermordung der fünfköpfigen Familie Baranek und von vier von ihr versteckten Juden durch deutsche Besatzer am 15. März 1943.

Am 5. August 1944 setzten Soldaten des „Zośka” - Bataillons während des Warschauer Aufstands ihr Leben aufs Spiel, und befreiten jüdische Häftlinge aus dem deutschen Konzentrationslager KL Warschau.

KL Warschau
Jewish prisoners of KL Warschau and the Zośka fighters after the liberation of the camp in August 1944, Quelle: Warsaw Uprising Museum

Wir müssen unsere Geschichte und die Wahrheit über uns verteidigen

Leider tauchen auf der ganzen Welt in der Öffentlichkeit die Begriffe „polnische Konzentrationslager” auf oder gibt es andere Äußerungen, die entgegen den Tatsachen versuchen, dem polnischen Volk eine Beteiligung am Holocaust zuzuschreiben. Mit der Einführung von Rechtsvorschriften, die sich an den Gesetzen anderer Länder orientieren, und diplomatischen Maßnahmen ist es möglich, diese verletzenden Vorfälle wirksam zu bekämpfen.

Viele Polen starben, weil sie Juden während des Zweiten Weltkriegs geholfen hatten. Daher müssen wir als Staat jeglichen Versuchen entgegenwirken, dass die Polen fälschlicherweise für den Holocaust verantwortlich gemacht werden.

Es ist ein Kampf um die Wahrheit über den Zweiten Weltkrieg und die Verbrechen, die in seinem Verlauf an der jüdischen Bevölkerung begangen wurden. Die Wahrheit, deren Verteidigung wir sowohl den Opfern des Zweiten Weltkriegs als auch denjenigen schuldig sind, die ihr Leben heldenhaft opferten, um andere zu retten.

Polen wird immer für das Gedenken an und für die Wahrheit über den Holocaust kämpfen. Denn es kann kein Gedenken ohne Wahrheit geben. Das enorme Ausmaß des menschlichen Leidens und die Verpflichtung gegenüber Menschen, die ihr Leben opferten, verpflichtet die polnische Regierung, den guten Ruf der Republik Polen und ihrer Bürger zu schützen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Polen die schändlichen Taten einiger seiner Bürger gegen Juden abstreitet. Allerdings können wir nicht damit einverstanden sein, dass wir für die Sünden Einzelner verantwortlich gemacht werden.

Niepokonani “The Unconquered”, A FILM by the Institute of National Remembrance
Quelle: IPNtvPL profile on YouTube

Keine Instrumente zur Verteidigung

1259
Interventionen

Der Kampf gegen den Begriff „polnische Todeslager” wurde bisher auf diplomatischer Ebene geführt, doch diese Maßnahmen erwiesen sich als unzureichend. Seit dem Jahr 2008 musste das polnische Außenministerium 1259 Mal gegen die Verwendung der falschen Begriffe einschreiten.

In dem bekannt gewordenen Fall, als der ehemalige Häftling von Auschwitz-Birkenau Karol Tendera den deutschen Fernsehsender ZDF verklagte, erklärte das Berufungsgericht in Krakau, dass „die Formulierungen 'polnische Vernichtungslager' die Persönlichkeitsrechte des Klägers (...) wie Menschenwürde, nationales Zugehörigkeitsgefühl und nationale Würde verletzten. Es ist nämlich eine unwahre Behauptung, die die Geschichte verfälscht und nahelegt, dass die polnische Nation der Täter der Naziverbrechen wäre.”

Andere Gerichte bestätigten, dass diese verletzenden Äußerungen über angebliche „polnische Konzentrationslager” jeden Angehörigen der polnischen Nation zur Einleitung von rechtlichen Schritten berechtigen. Die Vorschriften wurden so formuliert, dass ältere Menschen, die die Hölle des Holocaust überlebt hatten, selbst für die Wahrheit über unsere Nation kämpfen mussten. Es ist die Pflicht des Staates, für die Ehre und das Gedenken der Opfer und derjenigen, die die brutale deutsche Besatzung überlebt hatten, Sorge zu tragen. Daher musste das rechtliche Vakuum in diesem Bereich geändert werden.

Zweifel

Watpliwosci

Das Gesetz schränkt die Redefreiheit nicht ein

Das verfasste Gesetz garantiert ausdrücklich die Freiheit auf Forschung und künstlerische Betätigung. Und dass es so ist, ergibt sich aus der Feststellung, dass der Zweck des Gesetzes nicht darin besteht, die Arbeit von Historikern zu bremsen, sondern den falschen Anschuldigungen entgegenzuwirken, wonach dem gesamten Polnischen Volk und dem polnischen Staat die Verantwortung oder Mitverantwortung für die von Nazi-Deutschland begangenen Verbrechen angelastet wird.

Es werden keine Strafen für das Aufzeigen von abscheulichen Verbrechen, die von bestimmten Personen, egal welcher Nationalität, begangen wurden, verhängt. Das Gesetz schützt die historische Wahrheit und den guten Namen des Staates und des polnischen Volkes. Das Gesetz schützt definitiv keine Kriminellen, unabhängig davon, welcher Nationalität sie angehörten.

Das Gesetz ist präzise

Die Vorschriften definieren genau die Verhaltensfälle, die zu bestrafen sind – und zwar, wenn dem Polnischen Volk oder dem polnischen Staat die Verantwortung oder Mitverantwortung für nationalsozialistische Verbrechen des Dritten Deutschen Reiches zugeschrieben werden.

Anzumerken ist außerdem, dass „polnische Todeslager” nicht die einzige falsche Bezeichnung ist, die den Polen die Teilnahme an deutschen Verbrechen zuschreibt; daher definiert die Vorschrift im Allgemeinen alle Verhaltensfälle dieser Art ohne sich auf einzelne Begriffe zu beschränken. Die Vollstreckung wird im Bedarfsfall in gleicher Weise erfolgen wie z.B. bei Verfahren gegen die Holocaustleugnung.

Wurden von anderen Ländern ähnliche Vorschriften erlassen?

In 16 OSZE-Staaten ist die Beleidigung oder Diffamierung des Staates strafbar. In vielen anderen Rechtsordnungen – auch in Israel – gibt es ähnliche Regelungen, die die Verbreitung von Lügen über den Holocaust verbieten und die mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Dies ist auch in Polen der Fall. Gegenwärtig umfasst die Auschwitz-Lüge nach Auffassung Polens auch Aussagen über „polnische Todeslager”, die durch keinerlei Fakten bestätigt werden, oder Behauptungen, wonach Polen für den Holocaust verantwortlich gemacht wird, obwohl sie auch durch keinerlei Fakten untermauert werden, aber die Schuld der eigentlichen Täter dieser Verbrechen mindern. Darüber hinaus basieren die erlassenen Bestimmungen des Gesetzes über das Institut für Nationales Gedenken auf den Leitlinien des Rahmenbeschlusses 2008/913 des EU-Rates, die es den Mitgliedstaaten erlauben, Strafgesetze zu erlassen, die das Phänomen der Verharmlosung der Verbrechen des Dritten Deutschen Reiches bekämpfen. Durch die falsche Nennung des Täters werden sowohl das Ausmaß als auch die Scheußlichkeit dieser Verbrechen auf jeden Fall verharmlost, denn es ist inakzeptabel, dass das polnische Volk als das eigentliche Opfer mit den Tätern, dem Nazi-Deutschland, assoziiert wird.


Fazit

Das jüdische und das polnische Volk sind die größten Opfer der verbrecherischen und totalitären Maschinerie des Dritten Deutschen Reiches.

Polen kann nicht zulassen, dass das Gedenken an die Opfer jener Zeit mit falschen Anschuldigungen über die Verantwortung der polnischen Nation und des polnischen Staates für die Verbrechen der Deutschen entweiht wird. Im Namen der historischen Wahrheit darf nicht zugelassen werden, dass das Ausmaß der deutschen Verbrechen verharmlost wird, falsche Stereotype gefestigt werden und die wahre Rolle Deutschlands bei den an Juden und Polen begangenen Verbrechen verwischt wird oder dass die Grenzen zwischen Tätern dieser Verbrechen und ihren Opfern verblassen. Genauso können nicht die Augen vor der Wahrheit über Menschen geschlossen werden, die ihre eigenen Landsleute verrieten und bei der Durchführung des organisierten Völkermords mithalfen, auch wenn sie nur eine Randgruppe des gesamten Volks waren.